Man kann das so genau gar nicht sagen, die Tiere verhalten sich vollkommen anders, je nachdem, in welcher Gruppe sie leben.
Ich finde es auch eher schwierig, Tiere zu beurteilen, die vorher in einer Zweierkonstellation gelebt haben, das ist eben nicht die natürliche Haltungsform, und erst in einer Großgruppe kann man schauen, welche Position das Tier dann hat und wie es sich mit den unterschiedlichen Charakteren verhält.
Ich hatte hier letztes Jahr einen Kastraten, der gesundheitlich angeschlagen war, da sind zwei Vergesellschaftungen fehlgeschlagen, weil er vor den Weibchen Angst hatte (beides waren Tiere, die vorher und nachher völlig problemlos vergesellschaftet werden konnten).
Dann habe ich hier übers Forum eine ältere Dame aufgenommen als letzten Versuch, die vorher nur mit Weibchen gelebt hatte, und laut der Vorbesitzerin war sie dort sehr dominant und hat das andere Weibchen zwei Tage lang gejagt, bis es funktioniert hat mit dem Zusammenleben.
Mit meinem Kastraten war es ein Traum, ich habe sie zusammengesetzt und sie haben sich sofort vertragen. Es war sofort Liebe auf den ersten Blick. Sie haben ein gutes halbes Jahr vollkommen friedlich und harmonisch zusammengelebt, bis der Kastrat gestorben ist.
Nun habe ich ein recht dominantes jüngeres Weibchen (hat vorher nur mit einem Weibchen zusammengelebt) mit einem älteren nicht sehr durchsetzungskräftigen Kastraten aufgenommen (die beiden kannten sich aus der Pflegestelle und mögen sich sehr).
Jetzt ist das junge Weibchen die Chefin, meine Dotti hat die beiden zwar auch mal kurz gejagt, aber es war nicht besonders schlimm, und sie kommen ganz gut zurecht miteinander.
Wobei mein jetziger Kastrat sicher nicht Dottis Wunschpartner gewesen ist, aber nach jetzt ca. 6 Wochen kommen sie gut miteinander aus.
Vorher habe ich das auch schon erlebt, mein problemlosestes freundlichstes Weibchen in der Fünfergruppe hatte als letztes Tier überlebt, dann kamen ein Weibchen und ein Kastrat dazu, die hat sie erstmal beide ordentlich gejagt, es war dann hinterher eine super Gruppe, auch bei nachfolgenden Vergeselllschaftungen war sie nicht mehr dominant.
Ich denke, dass sich ein erfahrener Kastrat (also kein Baby oder ein einjähriger Bock, sondern einer der Gruppenerfahrung hat) gegen sie durchsetzen würde. Die beiden Weibchen haben ja wahrscheinlich überhaupt keine Gruppenerfahrung und sind nicht so wirklich sozialisiert, wenn sie nur zusammengelebt haben bisher, so dass sie vielleicht auch einfach falsch reagieren. Und Meerschweinchenweibchen sind ja von Natur aus eher männlichen Tieren zugetan, sonst würden sie sich ja auch nicht fortpflanzen können.
Etwas Stress wirst du ihr wahrscheinlich schon zumuten müssen, aber das Alleinsein ist für sie als Tier, dem normalerweise die Gruppe Sicherheit bietet, auch stressig.
Ich halte auch Kaninchen, da ist das ähnlich. Meine Häsin hat früher in einer Kaninchen-Großgruppe gelebt und sich ein Zimmer mit Meerschweinchen geteilt. Sie wurde immer etwas von der anderen Häsin in der Gruppe unterdrückt, sie war die rangniedrigste. Hier ist sie eingezogen und mit meinem Kaninchenkastraten war es Liebe auf den ersten Blick.
Ich wollte damals eigentlich wie bisher eine gemischte Gruppe mit Meerschweinchen und Kaninchen halten mit ausreichend Platz. Die Häsin hat aber von Beginn an aggressiv auf die Meerschweinchen reagiert, besonders auf das Weiße, sie hat sie sogar durchs Gitter angeknurrt.
Sie wollte ihren Kastraten für sich allein, und hat ihn dann auch gegen die Meerschweinchen verteidigt.
Sie hat jetzt schon den zweiten dunklen Partner, mit dem sich recht schnell zusammengerauft hat, sie bevorzugt wohl Partner mit dunkler Fellfarbe, das meinte schon die Vorbesitzerin. Das würde auch passen, warum sie so besonders aggressiv auf das weiße Meerschweinchen reagiert hat.
Vielleicht findest du ja einen Kastraten, der optisch (Fellstruktur, Farbe) deinem alten ähnelt? Keine Ahnung, ob das klappen könnte, ich habe das jetzt erst einmal bei meiner Häsin erlebt, dass es soetwas gibt.