Man erlebt mit seinen tierischen Freunden 3 Phasen.
1. Die Phase mit dem Jungtier, die Neuanschaffung, das Kennenlernen.
2. Die Phase des Zusammenlebens, des Genießens und der Sorglosigkeit.
3. Die Phase der Pflege, der Sorge und der Verabschiedung.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass gerade in der Meerschweinchenhaltung Phase 3 eine größere Rolle, als die anderen beiden Phasen, spielen kann.
Ich habe gelernt, meine Wünsche und Bedürfnisse, in den Hintergrund zu stellen. Wurde eines meiner Schweinchen krank, oder habe ich ein krankes altes Schwein aufgenommen, habe ich mir immer folgende Fragen gestellt:
1. kann das Tier sein Leben, wie die Natur es gedacht hat, leben?
2. Ist es schmerzfrei? Egal was war, das war mir immer am Wichtigsten. Egal ob die lange Einnahme von Schmerzmittel Leber oder Magen angreifen können, meine Tiere sollten auf keinen Fall Schmerzen erleiden. Sie selbst, wissen nicht, dass sie, wenn sie ihre Schmerzen aushalten, damit evtl. ein paar Wochen länger leben würden. Dass weiss nur ich. Und ich möchte, dass sie frei leben können.
3. Sie sollen jeder Zeit auch weglaufen können, wenn sie vor etwas erschrecken. Ein Schweinchen, was nicht mehr laufen kann, was gelähmte Beine hat, was von A nach B gehoben werden muss, ist nicht frei. Es kann nicht selbst entscheiden, wo es hingehen möchte. Das sollte keines meiner Schweinchen aushalten müssen.
4. Tierartzgänge wurden gemacht, wenn ich Klärung brauchte. Meine Tierärzte sind alle! mindestens 30 - 60 Minuten von meinem Zuhause entfernt, jeh nach Fachrichtung. Diese Wege, bin ich immer gefahren, nach mitten in der Nacht, wenn es notwendig war. Oft liest man, wegen dem Stress machen wir kein Röntgenbild..... wegen dem Stress, gehen wir nicht zum Tierarzt... usw. Was man seinem Tier damit antut, dass steht nirgends. Hat man ein Schwein mit Atemproblemen, sei es wegen einer starken Aufgasung, eines schwer kranken Herzens, einer kranken Lunge, oder anderem... Dieses Tier kann nicht mehr fressen, weil es sonst nicht mehr Atmen kann, dieses Tier hat evtl große Angst und Panik. Atmen ist etwas Lebenserhaltendes.
5. Ich habe mir geschworen, dass ich niemals ein Tier, nur wegen mir, durchs Leben zerren werde. Ich werde alles für das Tier tun, damit es gesund werden kann. Sollte es allerdings eine endgültige Diagnose bekommen, werde ich es vor dem totalen Zusammenbruch erlösen lassen. Ich werde kein Tier päppeln, was eine Vorhersage hat, mit dem Päppeln noch 2 Wochen leben zu können.... sondern es vorher gehen lassen.
6. Meerschweinchen versuchen noch, mit dem Kopf unter dem Arm, sich nicht anmerken zu lassen, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Ich habe totkranke Tiere erlebt, die immer noch so getan haben, als sei alles top in Ordnung, die von der ganzen Gruppe abgedrängt und verscheucht worden sind, weil diese die Krankheit gerochen haben. Dem kranken Tier hat man vom Verhalten her, nichts angesehen.
Meerschweinchen machen es uns mit diesem Verhalten nicht einfacher. In der Natur ist ein krankes Tier eine Bedrohung für die Gruppe. Also darf ein krankes Tier nicht anzeigen, dass es ihm schlecht geht. Umso mehr sind sie bestrebt, uns auch Gesundheit vorzuspielen... Uns hilft das vielleicht, weil wir sagen: Aber der frisst doch noch.... Aber der läuft doch noch rum... Aber der hat doch noch so viel Lebenswillen.... usw. Ja, dass muss er auch, weil sonst ist er alleine, egal ob der Körper schon in den letzten Zügen liegt....Sie versuchen sich nicht anmerken zu lassen, wenn sie Schmerzen haben. Wenn sie dann vor Schmerzen nicht mehr laufen, oder humpeln, dann haben sie oft sehr starke Schmerzen... Wären wir in ihrer Situation, wären wir schon 100x beim Arzt gewesen, würden wahrscheinlich am Schmerztropf hängen....
Das sind so meine persönlichen Punkte.
Es gibt bei dem allen keinen richtigen Weg, den jede Entscheidung, die wir Fällen, zieht eine Reaktion nach sich.
Ich hatte für mich daher entschieden, dass ich mich in die Lage des Tieres versetze, mir die Welt aus seinen Augen anschaue und dann entscheide. Tiere denken nicht an die Zukunft, sie wissen nicht, dass sie noch 4 Jahre leben könnten, sie leben ausschließlich im jetzt und in der Vergangenheit.
Wir Menschen sehen eine Zukunft vor uns.
Und wenn du deinem Schweinchen jetzt ein bis zwei Tage Zeit zum Erholen einräumst, dann kannst du auch super am Freitag entscheiden, was zu tun ist. Evtl braucht es dann noch 1-2 Tage mehr bis zur richtigen Entscheidung. Dann ist das so.
Wichtig ist, lass dich einfach nicht vom drohenden Tod oder dem Zwang der Genesung unter Druck setzen.
Du hast alles Mögliche für das Schweinchen getan. Warst mehrmals mit ihm beim Tierarzt, hast alle Untersuchungen machen lassen. Es ist mit Medikamenten gut eingedeckt. Nun braucht es ein Wunder.
Nimmt das Tier, so wie es ist in den Fokus, dieses kleine Meerschweinchen. Dann wirst du die Antwort finden.
Alles Gute und viel viel Kraft.